Die Wirkung
Die Romane erlebten zu Lebzeiten Hans Sterneders viele Auflagen, „Der Sonnenbruder“ von 1922 bis 1969 zehn und „Der Wunderapostel“ von 1924 bis 1977 vierzehn. Nach Sterneders Tod wurde „Der Sonnenbruder“ noch viermal als Taschenbuch aufgelegt und „Der Wunderapostel“ sechsmal. 2008 hat der Eich-Verlag beide Romane wieder als Hardcover-Ausgaben neu aufgelegt.
Die Resonanz in der Leserschaft war phänomenal. So heißt es in einer Dissertation über Leben und Werk Hans Sterneders von Fritz Arno Weisse (1941):
„Sterneder hat die Pressestimmen über seine Werke nicht gesammelt, weil sie für ihn nichts anderes bedeuten, als die jeweilige persönliche Stellungnahme eines kritischen Fachmannes. Weitaus mehr kündet ihm ein anderer Gradmesser seiner Bedeutung: Die Briefe aus der Feder des Lesers. Mit einem Stolz, zu dem kaum ein zweiter Dichter unserer Zeit berechtigt wäre, weist er heute auf eine Sammlung von rund 25 000 Briefen aus allen fünf Erdteilen.
Und gerade der ,Wunderapostel‘ ließ seine Wirkungswellen über die ganze Erde kreisen. Ein flüchtiger Blick auf die Absender einiger Briefe diene zum Beweis: Da schrieben ihm deutsche Bauern, Arbeiter, Bürger, Gutsbesitzer, Mitglieder alter Fürstenhäuser, Hochschüler, Universitätsprofessoren, ferner Leser aus Russland, aus Italien, aus Frankreich, mexikanische Priester, argentinische Plantagenbesitzer, brasilianische Kaufleute, Ingenieure aus Peru, Chile und Bolivien, Kaufleute aus New York, eine Diamentenhändlerin aus San Franzisco, Deutsche aus Australien, Engländer aus Indien, eine Plantagenbesitzerin aus Java, mehrere Pflanzer aus Afrika, eine indische Fürstin, chinesische Studenten, Universitätsprofessoren aus Tokio. Unter diesen Briefen, deren Vielfalt nicht mehr zu übersehen ist, befindet sich kein einziges Autogrammansuchen der üblichen Art. Sie alle sind ernste Zeugnisse des Dankes und der glühenden Zustimmung. Lebensverzweifelte Menschen schreiben dem Dichter, sein Buch hätte sie vor dem Selbstmord bewahrt. Ungezählte danken ihm, dass er ihrem zerstörten oder inhaltsleeren Leben Ziel und Halt gegeben hatte, Tausende schreiben ihm, dass sie, die bisher blind durch die Welt gingen, durch sein Werk sehend geworden wären und sich in die Wunder des Alleinheits-Wissens eingefügt fühlten.“